Aktionsberichte

Redebeitrag: Connecting Struggles

Redebeitrag vom 19.Mai zur March Against Monsanto Demo

Vor etwas mehr als drei Wochen hat ein EU-Ausschuß eine Verschärfung des Verbots dreier Insektengifte beschlossen. Diese zur Gruppe der Neo-Nikotino-ide zählenden 3 Stoffe dürfen künftig in der EU nur noch in Gewächshäusern, generell aber nicht mehr im Freiland eingesetzt werden. Die Bayer AG, die diese Gifte herstellt, äußerte sofort ihren Unmut. Doch leider reicht die Massnahme bei weitem nicht, um das dramatische Insektensterben zu stoppen.

In der Vergangenheit hat es immer wieder mal Verbote von einzelnen Pestiziden gegeben, worauf diese dann aber durch andere, ebenfalls schädliche Giftstoffe ersetzt wurden. Völlig außen vor bleiben weitere wesentliche Faktoren des Insektensterbens: vor allem die von Monsanto und Co voran getriebenen riesigen Monokulturen der industriellen Agrarwirtschaft, aber auch die drastische Zunahme von Verkehr und nächtlicher Beleuchtung sowie Folgen der globalen Erwärmung.

Das Massensterben der Insekten beschränkt sich nicht auf Europa. Es ist ein mehr und mehr weltweit erfasstes Phänomen, was in tiefgreifender Weise den Fortbestand komplexer Ökosysteme in Frage stellt, von deren Lebensfähigkeit letztlich auch wir Menschen abhängig sind.

Und das Insektensterben ist nur eines von zahlreichen schwerwiegenden Problemen unserer Zeit – wie zum Beispiel die immer extremer werdende globale soziale Ungleichheit oder der eskalierende Klimawandel.

Entscheidende Ursachen nahezu aller gravierenden einzelnen Probleme liegen in den übergreifenden strukturellen Eigenschaften des global herrschenden Kapitalismus. In diesem System muß aus sehr viel Kapital immer noch mehr Kapital werden. Eiskalte Konkurrenz, unersättliche Expansion und zwanghaft-fortwährende Beschleunigung gehen einher mit tiefer Missachtung sowohl des Lebens der allermeisten Menschen als auch der außermenschlichen Natur. Zustände von Ausbeutung, Ausschluss, Enteignung und umfänglicher Zerstörung sind die Folge.

Seit seinen historischen Anfängen ist der Kapitalismus mit verschiedenen Ausprägungen von Rassismus, mit hierachisierten und normierten Geschlechterverhältnis-sen sowie etlichen weiteren Herrschaftsformen in gegenseitig verstärkender Weise verknotet. Daraus resultieren eine Vielzahl von Spaltungen – nicht zuletzt die der Menschen im reichen Norden entgegen der Arm-Gemachten im globalen Süden. Setzen wir allen Spaltungen eine freudig-verbindende, ausdauernde Praxis und Vision von umfassender Solidarität und Überwindung sämtlicher Herrschafts- und Zerstörungsverhältnisse entgegen.

Statt der industriellen Landwirtschaft z.B. wäre Permakultur – also eine bunte, gesunde Vielfalt von Pflanzen anstelle von öden Monokulturen – eine vernünftige Alternative zur Sicherung der Welternährung. Permakultur bietet vielseitigere Arbeit, bewußteres Zusammenleben und zukunftsfähigen Schutz sowohl in sozialer als auch ökologischer Hinsicht.

Die vielen konkreten Einzel-Probleme zu benennen und entsprechende Teilkämpfe zu führen, bleibt wichtig. Zugleich müssen wir als vielfältige soziale Bewegungen aber auch gemeinsame Perspektiven und Strategien heraus bilden. Dazu gehört auch, das übergreifende ökonomische Gefüge der Verhältnisse zum Thema zu machen und gemeinsam entsprechende Aktionsformen zu entwickeln.

Einen Schritt in diese Richtung organisiert hier in Hamburg ein Bündnis von sonst zu unterschiedlichen Themen arbeitenden Gruppen. Am 23. Juni steigen die Harbour Games 2018, eine antikapitalistische Aktionsrallye im Hamburger Hafen. Ihr seid alle herzlich eingeladen, an der Rallye und den begleitenden Veranstaltungen teilzunehmen!

Kohleumschlag, Agrarindustrie, Rüstungsschmieden, Atomtransporte, neokoloniale Dumpingexporte – dies sind nur einige der vielen verheerenden Facetten kapitalistischen Welthandels im Brennpunkt Hamburger Hafen. Der mit Abstand größte deutsche Überseehafen steht sinnbildlich für das wesentlich die Vielzahl der drängenden Probleme hervorrufende, zutiefst ungerechte System.

Was hier im Hafen Konzernen und weiteren Nutznießer*innen Profite bringt, vernichtet an anderen Orten der Erde die Lebensgrundlagen von Menschen, treibt die weltweite soziale Ungleichheit immer weiter voran und trägt so auch zu Ursachen von Flucht und strukturell erzwungener Migration entscheidend bei: Seien es die Verwüstungen durch den Einsatz von Rüstungsgütern in Kriegsgebieten, die ökono-mische Unterwerfung und Festschreibung ganzer Weltregionen in Elend und Perspektivlosigkeit, die Vertreibungen durch z.B. Soja- und Palmölplantagen, Kohle-, Uran- und Erzabbau, oder die immer massiver werdenden Folgen des Klimawandels.

Die internationalen Häfen sind allerdings nicht nur Knotenpunkte des globalen Kapi-talismus, sondern können auch als verbindendes Element sozialer Kämpfe weltweit gesehen werden. Denn überall kämpfen Menschen für ein grundlegend anderes ge-sellschaftliches System, in dem Solidarität und Gerechtigkeit im Mittelpunkt stehen und nicht die Profitinteressen von Unternehmen und Konzernen.

Am Samstag den 23. Juni veranstalten wir als Bündnis ab dem Vormittag eine Aktionsrallye mit mehreren Kundgebungen und Aktionen an verschiedenen Orten im Hamburger Hafengebiet. Der Hafen ist weitläufig, daher werden wir uns gemeinsam mit Fahrrädern fortbewegen. Einzelne Rallye-Stationen sind aber auch gut über öffentliche Verkehrsmittel erreichbar. Mehr Informationen zur Rallye und den begleitenden Veranstaltungen findet Ihr auf der Harbour Games Website.

Unsere Vorfreude ist schon jetzt groß und besonders werden wir uns freuen, wenn auch Ihr bei den Harbour Games dabei seid! Wir werden für soziale und öko-logische Gerechtigkeit demonstrieren, werden den Ablauf der kapitalistischen Verwertungsmaschinerie stören und ein Zeichen setzen: so, wie es ist, bleibt es nicht!