Moorburg

Kohlekraftwerk Moorburg nimmt kommerziellen Betrieb auf

Mit erheblicher Verspätung hat das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg seinen kommerziellen Betrieb aufgenommen.

Hamburg vermarktet sich gern als das Mekka für die Windenergie.  Doch in der Realität wird nun das fossile Standbein gestärkt, was sich zukünftig auch auf die Klimabilanz der Stadt auswirken wird.

Block 1 startet nach Verzögerungen – Block 2 folgt Mitte 2015
Nach vielen technischen Pannen und fast einer Verdoppelung der Baukosten hat das Kohlekraftwerk in Moorburg am vergangen Samstagabend (28.02.2015) den Betrieb aufgenommen. Mit Block B ist zunächst nur einer der beiden Blöcke mit einer Leistung von  827 Megawatt (MW) am Netz. Block A soll Mitte dieses Jahres folgen.

Kraftwerk Moorburg: CO2-Emissionen bei 46,5 Prozent Wirkungsgrad
Pro Jahr stößt die Dreckschleuder im durchschnittlichen Betrieb  8,7 Mio. Tonnen Kohlendioxid aus, etwa 50 Prozent des jährlichen Ausstoßes Hamburgs, hinzu kommen weitere Schadstoffbelastungen insbesondere auf die Stadtteile Wilhelmsburg, Veddel, Rothenburgsort und Billstedt zu: Bei 7500 Volllaststunden entstehen je 6.420 Tonnen Stickoxide, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid, 642 Tonnen Feinstäube, 4,815 Tonnen Blei, 1,123 Tonnen Cadmium, 0,963 Tonnen Quecksilber und 0,802 Tonnen Arsen..

Selbst Vattenfall würden Kohlekraftwerk nicht nochmal bauen
Insgesamt liegen bereits jetzt erheblich Überkapazitäten für die Stromerzeugung vor. Im Jahr 2014 hatte Deutschland einen Stromexportüberschuss in Höhe von 34 Mrd. Kilowattstunden erzielt. Das ist ein Rekord und etwa drei Mal so viel Strom, wie Moorburg erzeugen soll. Hinzu kommt der geplante Ausbau der Offshore-Windenergie. In diesem Jahr könnten rund 2.000 MW Offshore-Leistung neu hinzukommen.

Ob das Kraftwerk Moorburg jemals rentabel arbeiten wird, ist zu bezweifeln. Die Investitionskosten haben sich in den Jahren von 1,7 Mrd. auf 3 Mrd. Euro fast verdoppelt, die Preise für Kohlestrom sind immer weiter gesunken. Die geplante Fernwärmetrasse, die dem Konzern Gewinne einbringen sollte, ist vom Tisch. Zudem gerät Steinkohle in der Merit-Order (Einsatzreihenfolge der Kraftwerke, die  durch die Grenzkosten der Stromerzeugung bestimmt wird) immer weiter in den Hintergrund bei steigendem Anteil erneuerbarer Energien. Das sieht auch der Betreiber Vattenfall so, der zugegeben hat, unter den derzeitigen Umständen ein solches Kraftwerk nicht mehr in Angriff zu nehmen.

Zur Geschichte des Kohlekraftwerks in  Moorburg

Ein kurzer Rückblick: im Jahr 2006 wurde der Antrag für das Kraftwerk gestellt, welches am Standort des 2004 abgerissenen Gaskraftwerkes entstehen sollte. 2007 war Baubeginn für das rund 2,6 Mrd. teure Projekt, obwohl erst 2008 die Baugenehmigung erfolgte. Diese Genehmigung war von der damaligen Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) unter strengen Umweltauflagen erteilt worden.

2009 hat Vattenfall dann die Bundesrepublik Deutschland wegen der Verschärfung der Umweltauflagen beim Bau und Betrieb des Kraftwerkes vor dem Washingtoner Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten (ICSID) auf Schadensersatz in Höhe von 1,4 Mrd. Euro verklagt. Dieses Verfahren wurde mit einer einvernehmlichen Einigung beigelegt, das heißt, dass von politischer Seite Zugeständnisse gemacht wurden, die Inhalte dieser Einigung sind der Öffentlichkeit bis heute vorenthalten worden.

Ab 2014 sollte das von Vattenfall als „umweltfreundlichstes Kohlekraftwerk weltweit“ gepriesene Werk jährlich bis zu 9 Mio. Tonnen CO2 produzieren, was zum Beispiel mehr ist als das gesamte Land Bolivien und doppelt so viel wie die CO2-Emissionen des gesamten Hamburger Verkehrs.

Zusätzlich kommen weitere Schadstoffbelastungen insbesondere auf die Stadtteile Wilhelmsburg, Veddel, Rothenburgsort und Billstedt zu: Bei 7500 Volllaststunden entstünden je 6.420 Tonnen Stickoxide, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid, 642 Tonnen Feinstäube, 4,815 Tonnen Blei, 1,123 Tonnen Cadmium, 0,963 Tonnen Quecksilber und 0,802 Tonnen Arsen.

Eine aktuelle Studie ermittelt allein durch die unmittelbaren Schadstoffemissionen für Moorburg jährlich 583 verlorene Lebensjahre, was nach anerkannter Berechnungsmethode 54 dadurch verursachte Todesfälle bedeuten würde.

Auszug Greenpeacestudie Das Kraftwerk Moorburg wird zwei steinkohlebefeuerte Blöcke mit jeweils 865 MW elektrischer Nennleistung haben, insgesamt soll es 111.000.000.000kWh/Jahr produzieren und damit 85% des Strombedarfes Hamburg decken. Der Steinkohleverbrauch wird bei Volllast bei etwa 12.000 Tonnen pro Tag liegen! Diese Kohle soll aus dem atlantischen Raum importiert werden, zum größten Teil aus Kolumbien – warum siehe hier.

Vattenfall hat Moorburg immer als Kraftwerk „von und für Hamburg“ dargestellt. Angesichts des zügigen Ausbaus der Windkraft kann von einer Notwendigkeit für die Stromversorgung Hamburgs keine Rede mehr sein. Das Gleiche gilt erst Recht bei der Fernwärme.

Hier konnte die sog. Moorburgtrasse durch den massiven Protest von AnwohnerInnen und AktivistInnen verhindert werden – siehe auch Unterseite “Moorburgtrasse“.

Die Konsequenzen für Vattenfall sind dabei erheblich: Ohne die Wärmeproduktion verliert Moorburg den Rang der sog. „Vorzugsproduktion“. Deswegen darf der  Meiler nun bei ausreichender Stromproduktion der Erneuerbaren nicht mehr für den deutschen Markt einspeisen.

Die “Lösung” für Moorburg lautet dann Export – hier reglementiert des EEG (erneuerbare Energiengesetz) nicht, weswegen Deutschland schon 2012 “Stromexpoteuropameister” war. Und 2013 wurde in den ersten 3 Monaten bereits 80% der (Rekord-) Strommenge von 2012 exportiert – mehr zu der sog. Exportoption hier.

Ein weiteres großes Problem ist die Kühlung im Kraftwerk. Zur Zeit hat Vattenfall die Wasserrechtliche Erlaubnis, im Regelbetrieb gigantische Mengen Wasser zur Kühlung aus der Süderelbe zu entnehmen und erwärmt (um 10°C wärmer!) wieder einzuleiten.

Um eine Vorstellung der Dimensionen zu bekommen: Bei der Durchlaufkühlung würde in zwei Stunden die Menge des gesamten Wassers der Binnenalster benötigt werden!

Im Gegensatz zur hochproblematischen Durchlaufkühlung, bei der 64m3 Elbwasser pro Sekunde entnommen werden, könnte ein ganzjährig betriebener Hybridkühlturm die benötigte Frischwassermenge auf 1m3/Sekunde reduzieren.

Vattenfall sträubt sich aus reinem Profitinteresse gegen die ganzjährig betriebene Hybridkühlturmnutzung. Es würde nämlich eine Umsatzeinbuße von etwa 2,5% bedeuten, weil der Wirkungsgrad des Kraftwerkes von 46,5% auf 45,4% reduziert würde.

Das fand jetzt auch das Hamburger Oberverwaltungsgericht problematisch. Am 21.1.13 gab es einer Klage des BUND gegen die sog. “wassrerechtliche Genehmigung”  statt und untersagte die Kühlwasserentnahme aus der Elbe. Das Urteil ist nachzulesen hier und näheres dazu auch dort. Am 19.03.2013 hat Vattenfall gegen das Urteil Revision eingelegt.

„Das schwedische Staatsunternehmen ist am Zustand der Elbe offensichtlich nicht interessiert, Hauptsache es gibt einen möglichst hohen Gewinnabfluss Richtung Stockholm. Fatal ist, dass die Stadt Hamburg diese Haltung mit einer fehlerhaften Wasserrechtlichen Erlaubnis zu legitimieren versucht”, sagt Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg.

Vattenfall kann sich in der Stadt auf eine starke politische Lobby stützen. Allen voran der mächtige Wirtschaftsenator Horch, aber auch Bürgermeister Scholz, Umweltsenatorin Blankau und sogar die Gewerkschaften stützen das völlig unverantwortliche und obendrein sinnlose, wie unzeitgemäße Projekt – siehe auch hier.

Tatsache ist, dass bei einer Inbetriebnahme ganze Stadtteile, wie Wilhelmsburg oder Moorburg von Stickoxid- und Feinstaubemissionen erheblich belastet werden. Hinzu kommen fatale ökologische Folgen für den ohnehin hoch belasteten Bereich Süderelbe und natürlich riesige Mengen CO2, die der Klimakiller emittieren würde.

Gegen Moorburg hat es eine Vielzahl von Protest- und Widerstandsaktionen in den vergangenen Jahren gegeben.
Die bisher spektakulärste Aktion dabei war die versuchte Bauplatzbesetzung von rund 800 AktivistInnen, die von einem massiven Polizeiaufgebot durch Wasserwerfereinsatz verhindert wurde.

Mal ganz davon abgesehen waren und sind eine sehr deutliche Mehrheit der HamburgerInnen sowieso und grundsätzlich gegen das Kohlekraftwerk aus wirklich guten Gründen…allerdings wurden wir nie gefragt.

Schreibe einen Kommentar